"Die stilistische Vermischung von Elektro mit allen anderen Genres der elektronischen Szene macht diese Musik derzeit einfach interessanter als jemals zuvor, auch und trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen im Musikbusiness. Für manche mag da ein Ende bevorstehen, aber ich empfinde eine regelrechte Aufbruchsstimmung, keine Ablösung alter Strukturen, sondern der konsequente Bau des nächsten Levels." (Anthony Rother, 2005)
Der 30jährige Offenbacher Produzent und Labelmacher Anthony Rother weiß, wovon er spricht, wenn er - wie kürzlich geschehen - als Motto einer Compilation "In Electro We Trust" vorgibt. Seit nunmehr über 17 Jahren arbeitet, spielt, lebt, ist er Elektro und ging mit seinem Glauben an diese Form der elektronischen Musik durch alle Höhen und Tiefen. Und transportiert dabei seit gut zwei Jahren mit seinem neuesten Club-Label Datapunk die Ästhetik des Elektro in das Jetzt, wie einige überaus erfolgreiche Maxis (unter anderem auch für Sven Väths Cocoon-Label) sowie Rothers mittlerweile fünftes Studioalbum "Popkiller" nachhaltig unter Beweis stellten. Nicht zuletzt die Tatsache, dass "Popkiller" in allen Jahrescharts 2004 vorne vertreten war und von den Raveline-Lesern sogar zum Album des Jahres gekürt wurde, zeigt, wie aktuell Elektro auch heute noch ist.
Die Karriere von Anthony Rother begann bereits Ende der Achtziger Jahre mit ersten Plattenveröffentlichungen, die damals noch stark von den sphärischen Klangcollagen des Filmregisseurs und Komponisten John Carpenter ("Die Klapperschlange", "The End") inspiriert waren. Seit dem Jahr 1994 gehörte Rother zu den wichtigsten Produzenten des damals noch im ländlichen Hessen beheimateten Kanzleramt-Labels von Heiko Laux, noch heute eine der verlässlichsten deutschen Adressen für qualitativ hochwertigen Techno.
Auf einem speziell gegründeten Sublabel von Kanzleramt erschien drei Jahre später dann Rothers Longplayer "Sex with the machines", mit dem Kanzleramt das erste Artist-Album veröffentlichte und das der musikalischen Karriere Rothers eine nachhaltige Dynamik verlieh. Mit "Sex with the machines" realisierte Rother zum ersten Mal die für ihn so typisch werdende Synergie aus clubbigem Anspruch und Tiefgang auf Basis von Elektro-Beats. "Das unglaubliche Feedback aus allen Lagern hat mir dann erstmals bewiesen, wie viel Kraft ich aus meiner Musik schöpfen kann, da hat es einfach Klick gemacht! Alle späteren Erfolge haben mich weiter auf meinem Kurs bestärkt und mir meinen Weg aufgezeigt, mich selbst als Künstler besser zu verstehen."
Im Jahr 1998 machte sich Rother dann konsequenter Weise auch auf Label-Ebene unabhängig und gründete mit PSI49NET eine künstlerische Plattform, die sowohl für eigene Produktionen als auch für eine Vielzahl von Kollaborationen mit befreundeten und geistesverwandten Musikern das passende Medium darstellte. Dort erschienen unter anderem auch die gefeierten Alben "Simulationszeitalter" (2000), "Little Computer People" (2001) und "Hacker" (2002), die nicht nur als musikalische Statements, sondern auch durch eine im Kontext elektronischer Musik eher ungewöhnliche gesellschaftskritische Ausrichtung der Vocals bestachen. Parallel dazu entstand mit Frankfurts Vorzeige-DJ Sven Väth eine langjährige musikalische Freundschaft, die in einer Vielzahl von gemeinsamen Produktionen mündete. So produzierte Rother die beiden Sven Väth-Alben "Contact" und "Fire", mehrere Kooperationen für Väths Cocoon-Label unter dem Projektnamen Väth & Rother (u.a. "Komm", "Magie") sowie aktuell einen gemeinsamen Remix für Nenas Charts-Hit "Willst Du mit mir gehen?". Weitere musikalische Partner waren unter anderem Thomas Schumacher und Karl Bartos (Kraftwerk), dazu kommen noch in diesem Jahr Zusammenarbeiten und Remixes mit Miss Kittin, Erick Morillo und DJ Hell.
Ein wichtiger Aspekt für Rothers musikalische Karriere sind auch seine umjubelten Live-Auftritte, die ihn und seinen umfangreichen Gerätepark in den letzten Jahren zu einem beliebten Dauergast in Szene-Clubs und auf Festivals weltweit werden ließen. "Für mich hat Livespielen einfach eine unglaubliche Körperlichkeit. Wenn ich auf der Bühne Musik mache, geht das nur, wenn ich in Bewegung bin, alle Keyboards und Synthies spiele, live singe und das Alles in Echtzeit arrangiere. Dafür nehme ich auch logistische Strapazen immer wieder gerne in Kauf."
Letztes künstlerische Glied in der Kette ist das neu gegründete Stahl-Label, auf dem in diesem Jahr als Katalognummer Eins Rothers Album "Art Is A Technology" erschien, mit dem er sich von den stilistischen Vorgaben des Clubformats löste, um im Stile früherer Releases für das Ambient-Kultlabel Fax +49-69/450464 cineastische Klangexperimente zu kultivieren. Und so schließt sich für Rother ein Kreis, der vor knapp zwanzig Jahren seinen Ausgang nahm.
Für Photos in Print Qualität und/oder weiteres Material kontaktieren Sie bitte booking@23punks.com
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